Bedürfnis


Bedürfnis

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Be|dürf|nis [bə'dʏrfnɪs], das; -ses, -se:
1. Gefühl, jmds., einer Sache zu bedürfen:
ein großes, dringendes Bedürfnis nach Ruhe haben.
Syn.: Begier (geh.), Begierde, Sehnsucht, Verlangen, Wunsch.
Zus.: Geltungsbedürfnis, Mitteilungsbedürfnis, Ruhebedürfnis, Schlafbedürfnis, Schutzbedürfnis.
2. <Plural> das, was man zum Leben braucht:
materielle, luxuriöse, geistige Bedürfnisse; das Haus war auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung eingerichtet.

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Be|dụ̈rf|nis 〈n. 11Notwendigkeit od. Wunsch, einem Mangel abzuhelfen ● einem \Bedürfnis abhelfen einer Notwendigkeit, einem Wunsch entsprechen; ein \Bedürfnis befriedigen 〈fig.; veraltetdie Notdurft verrichten, urinieren; ich habe das \Bedürfnis ich möchte gern ...; sein: es ist mir ein \Bedürfnis, Ihnen mitzuteilen, dass ... ● es besteht ein allgemeines, dringendes, großes \Bedürfnis nach ...; ein \Bedürfnis fühlen nach

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Be|dụ̈rf|nis , das; -ses, -se:
1. Wunsch, Verlangen nach etw.; Gefühl, jmds., einer Sache zu bedürfen, jmdn., etw. nötig zu haben:
ein B. nach Ruhe;
es ist mir ein [wirkliches] B., Ihnen zu danken;
ich hatte das B., mich auszusprechen.
2. <meist Pl.> [materielle] Lebensnotwendigkeit; etw., was jmd. [unbedingt] zum Leben braucht:
die -se der Gesellschaft;
seine, jmds. -se befriedigen.
3. (veraltet) Notdurft:
[s]ein B. verrichten.

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Bedürfnis,
 
1) Psychologie: 1) Zustand eines physiologischen oder psychischen Mangels; 2) der als Mangel empfundene Erlebniszustand, der mit dem Streben nach Behebung (Befriedigung) verbunden ist; Begriff aus dem Bereich der Motivationspsychologie, wobei die Begriffe Motiv, Strebung, Antrieb, Trieb, Interesse Aspekte des Bedürfnisbegriffs beschreiben und zum Teil (Trieb, in der Philosophie: Interesse) synonym dazu verwendet werden. Je nach den zugrunde gelegten Motivationstheorien wird er unterschiedlich definiert. In der Psychoanalyse wird der Begriff Bedürfnis mit den libidinösen Antrieben gleichgesetzt, die als Basis aller Bedürfnisse gelten. In anderen somatisch ausgerichteten Trieb- oder Instinkttheorien werden Sexualität und Aggressivität ergänzt durch weitere »Triebe« (wie Nahrungstrieb, Selbsterhaltungstrieb); von diesen als »primär« bezeichneten (angeborenen) Bedürfnissen werden die »sekundären« (z. B. Geltung, künstlerische, soziale, religiöse Interessen) als abgeleitete (erworbene) Bedürfnisse unterschieden. Die sozialpsychologisch ausgerichteten Theorien betonen (statt der »Innengeleitetheit« durch Triebe) die soziale Außenleitung der Bedürfnisse durch Familie, Gruppe und Gesellschaft (z. B. auch vermittelt durch Werbung und Mode). Für K. Lewin, z. B. in seiner topologischen Psychologie, ist jedes Bedürfnis ein gespanntes System im Ich, d. h. ein dynamischer Zustand, der in Abstimmung zu den von außen wirkenden Kräften (Umwelt) einem Spannungsausgleich zustrebt. Lewin unterscheidet weiterhin zwischen »objektiven« Bedürfnissen, z. B. Hunger, und Quasibedürfnissen, den Vornahmen, bestimmte Aktionen auszuführen. A. H. Maslow entwickelte demgegenüber das Modell einer Bedürfnishierarchie, an deren oberster Stelle das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung steht; sind die Bedürfnisse der einen Stufe befriedigt, hat das Bedürfnis auf der nächsthöheren Stufe Vorrang. Unterschiedliche Auffassungen bestehen ferner hinsichtlich der Struktur der Bedürfnisse. Neben der strukturalistischen Annahme einer mosaikartigen Zusammensetzung einzelner Bedürfnisse zu einem individuellen Bedürfnissystem besteht eine Gruppe von holistischen Auffassungen, wonach Bedürfnisse abhängige, ausdifferenzierte Glieder einer vorherigen individuellen Bedürfnisausrichtung (»needstate«, C. L. Hull) seien.
 
 
B. Weiner: Motivationspsychologie (a. d. Amerikan., 1984);
 
Grundlagen der Psychologie, hg. v. H. Benesch, Bd. 5: Motivations- u. Emotionspsychologie (a. d. Amerikan., Neuausg. 1985).
 
 2) Wirtschaftswissenschaften: Ausgangstatsachen des Wirtschaftens. Als subjektive Empfindungen können sie Anlässe für wirtschaftliche Handlungen werden. Für die Volkswirtschaftslehre sind deshalb nur die mit Kaufkraft ausgestatteten Bedürfnisse wesentlich, die am Markt als effektive Nachfrage wirksam werden (Bedarf) und Überlegungen über die Aufteilung knapper Mittel zur Erfüllung menschlicher Bedürfnisse erfordern. Unterschieden werden existenzielle Bedürfnisse oder Grundbedürfnisse (Nahrung, Kleidung, Wohnung, Bildung) von Wohlfahrts-, Luxus- und Prestigebedürfnissen sowie Individualbedürfnisse von Kollektivbedürfnissen (öffentliche Güter).
 
Die Deckung des Bedarfs durch die Schaffung und Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen und die damit verbundene Befriedigung menschlicher Bedürfnis wird als Ziel aller wirtschaftlichen Aktivitäten angesehen. In Marktwirtschaften bestimmen die von den Wirtschaftssubjekten geäußerten Bedürfnisse die Produktion und damit das Angebot, jedoch wird eingewandt, dass die Bedürfnisse ihrerseits durch das Angebot an Gütern und Dienstleistungen, durch Werbung, soziale Umwelt u. a. Faktoren beeinflusst werden (Konsumentensouveränität).
 
Die Bewertung der Bedürfnisse versuchten die subjektiven Werttheorien zu lösen. Seit V. Pareto verzichtet man auf eine psychologische Fundierung; eine gegebene Bedürfnisstruktur wird durch eine Präferenzskala dargestellt (Indifferenzkurve), d. h., zwischen den Bedürfnissen besteht aus Sicht des Wirtschaftssubjekts entsprechend ihrer Dringlichkeit eine Rangordnung (Bedürfnishierarchie, Bedürfnissystem). In der wirtschaftstheoretischen Analyse wird weiterhin unterstellt, dass ein Wirtschaftssubjekt eine größtmögliche Bedürfnisbefriedigung und damit ein Maximum an Nutzen anstrebt (Grenznutzenschule).
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Gut · Haushalt · Konsum · Marketing · Marktforschung · Nachfrage · Nutzen · Wirtschaft · Wohlfahrtsökonomik
 
 
W. Kroeber-Riel: Konsumentenverhalten (71999).

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Be|dụ̈rf|nis, das; -ses, -se: 1. Wunsch, Verlangen nach etw.; Gefühl, jmds., einer Sache zu bedürfen, jmdn., etw. nötig zu haben: ich hatte das B., mich auszusprechen; ein B. nach Ruhe; es ist mir ein [wirkliches] B., Ihnen zu danken; Die katholische Kirche ist dem B. nach Kitsch in zu starkem Maße entgegengekommen (Gregor-Dellin, Traumbuch 141). 2. <meist Pl.> [materielle] Lebensnotwendigkeit; etw., was jmd. [unbedingt] zum Leben braucht: die -se der Gesellschaft; wir alle haben die gleichen -se: wir wollen essen, trinken, schlafen (Bieler, Bonifaz 56); seine, jmds. -se befriedigen; ein B. haben (veraltet verhüll.; seine Notdurft verrichten müssen). 3. (veraltet) Notdurft: ein/sein B. verrichten.

Universal-Lexikon. 2012.

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